Analyse: Trump-Rücknahme der Kraftstoffeffizienzstandards könnte Autos günstiger machen – doch höhere Benzinrechnungen verschlingen die Ersparnisse
Washington/Berlin – Die Trump-Administration hat mit der angekündigten Rücknahme der strengen Kraftstoffeffizienzstandards (CAFE) unter dem früheren Präsidenten Biden einen neuen Schlag gegen die Klimapolitik gelandet. Präsident Donald Trump verspricht, dass die Lockerung die Preise für Neuwagen um bis zu 1.000 US-Dollar senken und die Autoindustrie entlasten werde. Experten warnen jedoch: Die kurzfristigen Einsparungen bei der Anschaffung werden durch höhere Spritkosten auf der Straße mehr als aufgewogen – bis 2050 könnten US-Verbraucher bis zu 185 Milliarden Dollar extra zahlen. Der Rollback, der am 3. Dezember im Weißen Haus vorgestellt wurde, priorisiert Benzinmotoren und könnte den Übergang zu Elektrofahrzeugen (EVs) bremsen.
Bei der Zeremonie im Oval Office, umringt von Autoexecutives wie Ford-CEO Jim Farley, nannte Trump die Biden-Standards „lächerlich belastend“ und „einen Betrug“. Die neuen Vorgaben der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) reduzieren die jährlichen Steigerungen der Effizienz auf 0,25 bis 0,5 Prozent bis 2031 – im Vergleich zu Bidens 8 bis 10 Prozent pro Jahr. Ziel: Mehr günstige SUVs und Pick-ups, weniger teure EV-Technologien. Die Regierung argumentiert, dies schütze Jobs in der traditionellen Autoindustrie und halte Fahrzeuge erschwinglich, da EVs angeblich Verluste machen und Preise für Verbrenner in die Höhe treiben.
Günstigere Autos, teurere Tankstellen: Die Kostenrechnung
Tatsächlich könnten die Lockerungen den Einstiegspreis für Autos senken: Ohne teure Effizienz-Upgrades wie Hybrid-Systeme oder leichtere Materialien sparen Hersteller Kosten, die an Käufer weitergegeben werden. Trump schätzt 1.000 Dollar pro Fahrzeug; NHTSA-Analysen deuten auf marginale Einsparungen hin, die jedoch langfristig verdampfen. Studien zeigen, dass strengere Standards seit 2003 den Durchschnittspreis nicht signifikant erhöht haben, aber 30 Prozent mehr Effizienz gebracht und 7.000 Dollar pro Auto an Spritersparnissen generiert haben.
Der Haken: Weniger Effizienz bedeutet mehr Verbrauch. Die NHTSA schätzt 100 Milliarden zusätzliche Gallonen Benzin bis 2050 – bei aktuellen Preisen rund 185 Milliarden Dollar extra für US-Fahrer. Jason Schwartz vom New York University Institute for Policy Integrity kritisiert: „Die Einsparungen an Technologiekosten werden ab Modelljahr 2027 durch höhere Lebenszeit-Spritkosten aufgefressen – in jedem Szenario.“ Umweltgruppen wie das Center for Biological Diversity warnen vor 710 Millionen Tonnen mehr CO2 und 35 Milliarden Dollar entgangenen Einsparungen. „Trump verschlimmert den Durst nach Öl, hohe Benzinpreise und den Klimawandel“, so Direktor Dan Becker.
| Aspekt | Biden-Standards (bis 2031) | Trump-Rollback | Auswirkungen für Verbraucher |
|---|---|---|---|
| Effizienzsteigerung/Jahr | 8–10 % | 0,25–0,5 % | Weniger sparsame Autos, +5 % CO2-Emissionen |
| Flotten-Durchschnitt (mpg) | 50,4 (2031) | ~47,3 (2027) | Höherer Verbrauch: +100 Mrd. Gallonen Benzin bis 2050 |
| Kosten pro Auto | +1.000–2.000 USD (Technik) | -1.000 USD (Einstiegspreis) | Lebenszeit: +7.000 USD Spritkosten vs. Einsparungen |
| Gesamteinsparung | 23 Mrd. USD (Sprit bis 2050) | -185 Mrd. USD (Mehrkosten) | Nettoverlust: Höhere Tankrechnungen ab Tag 1 |
Globale und europäische Folgen: Ein Rückschritt im Green Deal?
Für die US-Autoindustrie ist der Rollback ein Segen: Ford, GM und Stellantis feiern mehr Freiheit für profitable SUVs, deren Aktien am 3. Dezember stiegen. Doch langfristig riskieren sie den Anschluss an den globalen EV-Markt – China und Europa drängen auf Elektrifizierung. In der EU, wo der Green Deal 2035 Verbrenner verbietet, könnte Trumps Kurs Handelsspannungen schüren: Höhere US-Emissionen belasten den Klimazielvergleich, und Importe günstiger, weniger effizienter US-Modelle könnten den CO2-Fußabdruck steigern.
„Der Rollback macht Autos kurzfristig billiger, aber teurer im Betrieb – eine Falle für Verbraucher“, analysiert Prof. Dr. Elena Hartmann von der Humboldt-Universität Berlin. Deutsche Hersteller wie VW und BMW, die in EVs investiert haben, könnten von US-Zöllen auf EVs profitieren, doch globale Benzinpreise (aktuell ~1,80 USD/Gallon) werden steigen, wenn Nachfrage wächst. Kalifornien-Gouverneur Gavin Newsom droht mit Gegenmaßnahmen, da der Staat eigene Standards behält.
Die NHTSA plant die Finalisierung 2026; bis dahin bleibt Unsicherheit. WirtschaftsNews Deutschland beobachtet: Wird Trumps „Benzin-Reset“ den American Dream befeuern – oder die Tankstelle?
